April, April!

Um mal wieder ein wenig Leben in die Seite zu bekommen, habe ich mich entschlossen Geschichten und Anekdoten von Gästen zu veröffentlichen. Wenn ihr auch noch etwas petto haben solltet, nur her damit. Am Liebsten sind natürlich Geschichten die in unserer schönen Heimatstadt ihren Ursprung haben.

Den Anfang macht die Autorin und ehemalige Lehrerin Ilse Blomberg:

Ich war Klassenlehrerin eines 1. Schuljahres (1971).

1. April:
“Frau Blomberg, Sie haben ein Loch im Strumpf!” “Was, wirklich?”, und ich bog den Kopf in Richtung meines Strumpfes. “April, April!”“Frau Blomberg, Du hast einen Flecken auf der Bluse!” “Ach, so ein Pech aber auch!”, und ich eilte zum Klassenspiegel, um den Flecken zu entdecken. “April, April!” Es ist meinen Schülern meistens gelungen, mich in den April zu schicken. Nach dem zehnten Mal: “Loch im Strumpf oder Fleck auf der Bluse”, guckte ich mich immer noch um und freute mich an ihren spitzbübischen Gesichtern.

Aber an diesem 1. April in den Siebzigern war der Aprilscherz ein wenig anders. Als ich in die Klasse kam, bemerkte ich sofort, dass das Kissen, das auf meinem Schreibtischstuhl lag, eine etwas ungewöhnliche Wölbung hatte. “Aha”, dachte ich, “da setze ich mich nicht drauf”, denn ich wusste, was unter dem Kissen lag. Hatte nicht erst vor ein paar Tagen Frank mit seinem “Pupskissen” für große Heiterkeit gesorgt? “Nicht mit mir, nicht mit mir!”, beschloss ich.“ Dann lieber 100 Löcher in Strümpfen und 100 Flecken auf Blusen, aber nicht solche Geräusche.”

Also setzte ich mich nicht auf meinen Lehrerstuhl beim morgendlichen Stuhlkreis, sondern holte mir einen kleinen Schülerstuhl aus der Ecke. Konnte ich da ein ungläubiges Staunen beobachten? Gingen da nicht die Blicke von einem zum anderen? “Ja, staunt nur, eure Lehrerin ist nicht so aprilblind, sie ist auf der Hut und lässt sich von euch nicht so leicht in den April schicken.”, schmunzelte ich in mich hinein. Nach dem Stuhlkreis zockelten alle auf ihre Plätze und sahen sich nach meinem Stuhl immer wieder um. Ich setzte mich aber nicht. “Schön durchhalten!!!” Das gelang mir wirklich gut.

Nach der ersten Schulstunde hatten alle eine kleine Atempause verdient: “Also los, Kinder, wir holen uns eine kalte Nase, kommt mit mir auf den Schulhof. “Auf dem Schulhof plapperten sie mir nicht wie sonst die Ohren voll. Sie machten sogar einen Bogen um mich herum. Sie rannten auch nicht wild herum und lachten laut über irgendwelche Sachen. Über eine ganz bestimmte Sache hätten sie heute gerne laut gelacht, aber das konnten sie ja nicht. War ich ein Spielverderber!? Eine richtige Spaßbremse!? War ich das? Verdarb ich meinen kleinen Schülern den ersten April? Wollte ich das?

Als wir dann wieder in der Klasse waren, sagte ich: “Nun setzt euch mal schön hin. Wir wollen es uns bei einer Geschichte gemütlich machen. Da brauche ich ja auch meinen Lehrerstuhl. Oder will sich ein anderer darauf setzen und mit mir den Platz tauschen?“ “Nein”, riefen alle wie aus einem Mund, das ist dein Stuhl!” Ja, es war mein Stuhl mit einem Kissen drauf, unter dem ein Pupskissen lag. Und dann tat ich ihnen den Gefallen. Und ich setzte mich nicht nur so ein wenig seitlich drauf, sondern mitten auf den Kracher. Das war ein Geräusch! Aber das Lachen, das Klatschen, das Gefreue und das Getobe meiner Schüler übertönte bei weitem die Phonzahl des Objektes. Na und da war die Welt wieder in Ordnung am 1. April, und wir hatten uns alle wieder richtig lieb. April, April!!! 

Mit vielen Grüßen in den April hinein 
Ilse Waltraut Blomberg

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